Team Zuffenhausen21.

Bürgerinnen und Bürger, die sich für Planungsprozesse interessieren, waren in einer offenen "Zukunftswerkstatt" der Volkshochschule Stuttgart für den Stuttgarter Stadtbezirk Zuffenhausen aktiv. Von 1998 bis zum Jahresende 2011 engagierten wir uns ehrenamtlich im VhsTeam Zuffenhausen21. Wir erarbeiteten eigene Beiträge und stellten sie zur Diskussion. Sachkundige Bürger, Politiker vor Ort und externe Fachleute unterstützten uns dabei.

Wir haben mit-gedacht.
Die Arbeiten des VhsTeam Zuffenhausen21 sind wichtige Beiträge zur Stadtentwicklung Zuffenhausens. Sie weisen in die nahe und fernere Zukunft. Deshalb halte ich als ehemaliger Kursleiter die Erinnerung an beispielhafte Diskussionsbeiträge der aktiven Zuffenhausener Laienplaner für andere Interessierte wach.

Wir haben mit-geplant.
Wir haben uns mit aktuellen Themen der Stadtplanung auseinander gesetzt. Wir haben auf Probleme hingewiesen. Wir versuchten, Planungs-Folgen für den Stadtbezirk einzuschätzen. Denn in Zuffenhausen wird weiterhin hingenommen, dass die Stadtautobahn B10/27 Ortsdurchfahrt Zuffenhausen und die Gleisanlagen der Deutsche Bahn AG Zuffenhausen-Ost und Zuffenhausen-West voneinander trennen.

Wir haben mit-geredet.
Wir wissen um die Mit-Verantwortung Zuffenhausens – auch an der zukünftigen Präsentation Stuttgarts. Falls durchfahrende internationale Bahnreisende auf ihrer vielzitierten Fahrt von Paris nach Budapest auch etwas von der deutschen Landeshauptstadt Stuttgart sehen wollen, kann ihnen Zuffenhausen bei der Erfüllung dieses Wunsches behilflich sein.

Wir wünschen dem Stadtbezirk eine glückliche Hand bei der Gestaltung seines Images. Noch hat Zuffenhausen, genauso wie auch sein Nachbar Feuerbach, Optimierungsbedarf bei der Darstellung des städtebaulichen Erscheinungsbildes entlang der Bahntrassen.

Verkehrsgeplagtes Zuffenhausen.
Der Stadtbezirk Zuffenhausen ist der drittgrößte Stuttgarter Stadtbezirk. Ca. 34.000 Bürger leben ständig hier und ca. 25.000 Menschen sind zeitenweise zum Arbeiten in Zuffenhausen.

Zuffenhausen ist besonders stark vom Individualverkehr belastet, obwohl es bequem mit dem Öffentlichen Nahverkehr zu erreichen ist. Es gibt drei S-Bahn-Linien (S4, S5, S6), Regionalbahnen, zwei Stadtbahn-Linien (U7, U15) und Busse (52, 99, 508).

Heute stellt Zuffenhausen dem Durchfahrtsverkehr insgesamt
18 Fahrspuren allein im Zentrum zur Verfügung:
2 Fahrspuren in O-W-Richtung in Rotweg / Zabergäustraße;
2 Fahrspuren in O-W-Richtung in der Unterländer Straße;
2 Fahrspuren in O-W-Richtung in der Frankenstraße;
2 Fahrspuren in N-S-Richtung in der Ludwigsburger Straße;
2 Fahrspuren in N-S-Richtung in der Burgunderstraße;
2 Fahrspuren in N-S-Richtung in der Schwieberdinger Straße;
6 Fahrspuren auf der Stadtautobahn B10/27 Ortsdurchfahrt Zuffenhausen.
Das ist beachtlich - ist doch in Zuffenhausen bereits seit dem Frühjahr 1980 mit der neuen B10/27 die Voraussetzung dafür gegeben, die Straßen neu zu ordnen und sie den Bedürfnissen des Stadtbezirks anzupassen.

Stuttgart baut für noch mehr Straßenverkehr
B10, B10/27 und B27 weiter aus - und zwar durch Angleichen an den Ausbaustandard der Stadtautobahn B10/27 Ortsdurchfahrt Zuffenhausen aus dem Jahre 1980. Als Folge davon wird der Verkehr in Zuffenhausen zunehmen. Die Stadt Stuttgart geht davon aus, dass allein die Realisierung der im Stuttgarter Norden geplanten Baumaßnahmen Tunnel Pragsattel, Rosensteintunnel mit Leuzetunnel, Verbreiterung der Heilbronner Straße, neue MEA-Brücke und die somit für den Fernverkehr zwischen dem Neckartal, der A81 und Vaihingen/Enz geschaffene Attraktivitätssteigerung ("Bypass" zur Umfahrung des Autobahnkreuzes Stuttgart) zu einer Zunahme des Verkehrs auf der B10/27 führt. Statt heute ca. 65.000 KfZ/Tag sollen künftig ca. 90.000 KfZ/Tag mitten durch Zuffenhausen fahren.
Zusätzlich zu diesem Fernverkehr soll noch der innerörtliche Durchfahrtsverkehr auf die B10/27 verlagert werden. Die Stadt Stuttgart geht davon aus, dass dieser freiwillig auf die Bundesstraßen fährt. Da Pragsatteltunnel und neue Heilbronner Straße auch Rückbau im innerörtlichen Straßennetz ermöglichen, beschloss der Gemeinderat entsprechende Maßnahmen gleich mit.

Verkehrswege trennen.
Die Stadtautobahn B10/27 Ortsdurchfahrt Zuffenhausen und die Gleisanlagen der Bahn trennen in ihrer Funktion als schnelle Verkehrswege den Stadtbezirk Zuffenhausen in die zwei Teile Zuffenhausen-Ost und Zuffenhausen-West. Verbindungen gibt es drei für den Fahrverkehr (Zabergäubrücke, Unterländer Straße, Siegelbergdurchlass) und drei für Fußgänger (Zabergäubrücke, Unterländer Straße, Bahnhofsunterführung. Der Siegelbergdurchlass ist für Fußgänger nicht zumutbar).

Der Rückzug alteingesessener Zuffenhausener Bürgerinnen und Bürger aus den vom Verkehr besonders betroffenen Baugebieten dürfte sich fortsetzen. Bereits heute liegt die Bevölkerungsflucht über dem Stuttgarter Durchschnitt. Ohne entsprechende Gegenmaßnahmen droht weitere Minderung des Wohnwerts.

Auto-TUNNEL jetzt.
Die Stadtautobahn B10/27 Ortsdurchfahrt Zuffenhausen wird als Beitrag zum Umweltschutz und als Ausgleichsmaßnahme für den Rosensteintunnel zugedeckelt. Also: ZUFFENHAUSEN-TUNNEL jetzt.

Im Lärmminderungsplan für Zuffenhausen
hat die Stadt Stuttgart die Verkehrsprobleme im Stadtbezirk dargestellt. Ein "Runder Tisch" hat Einzelmaßnahmen erarbeitet, die schrittweise von der Stadt umgesetzt werden. Dafür muss der Stuttgarter Gemeinderat entsprechende Mittel zur Realisierung freigeben. Das Amt für Umweltschutz hat im Prognose-Szenario 2010 die aktuellen städtischen Planungen berücksichtigt: eine Lärmminderung von bis zu 3 dB(A) wird vor allem in Rot, aber auch entlang von Unterländer Straße, Stammheimer Straße, Zabergäustraße, Strohgäustraße und Schwieberdinger Straße erreicht. In Frankenstraße und Burgunderstraße erhöht sich der Beurteilungspegel durch Verkehrsverlagerungen. (Quelle: CD-ROM Lärm und Lärmschutz, Stadt Stuttgart, Amt für Umweltschutz, 2002).

In der Klima-Analyse
der Klimauntersuchung des Nachbarschaftsverbandes Stuttgart (1991) ist die B10/27 im Zentrum Zuffenhausens als "Straße mit sehr hoher Verkehrsbelastung: sehr hohe Luft/Lärmbelastung" dargestellt. Für die Planung gibt die gleiche Klimauntersuchung folgenden Hinweis: "Bei Planungen im Einwirkungsbereich der Straßen sind je nach Nutzungsabsicht Immissionsprognosen erforderlich"

Friedrichswahl.
Wir wollen, dass die Stadtbahn am neuen Verkehrsknoten Friedrichswahl oben bleibt (siehe Skizze). Diese Voraussetzung erfüllt von den bisherigen städtischen Planungen nur die Variante 8b des Stadtplanungsamts. Wir empfehlen, diese fahrgastfreundliche Variante 8b des Stadtplanungsamts der weiteren Planung Friedrichswahl zugrunde zu legen.

Auch der Individualverkehr profitiert von der Variante 8b des Stadtplanungsamts. Die Ausführung des Verkehrsknotens nach dem Funktionsprinzip der Konrad-Adenauer-Straße in Stuttgart-Mitte bringt wesentliche Vorteile sowohl für die Leistungsfähigkeit des neuen Knotens Friedrichswahl als auch für den Stadtbezirk Zuffenhausen: Während die jeweils zwei Fahrspuren unten dem ampelfreien Verkehrsfluss auf der B10/27 zugute kommen, dient die jeweils dritte Fahrspur oben zur Erschließung der Grundstücke an der Heilbronner Straße im Bereich zwischen Straßenkreuzung Heilbronner Straße / Krailenshaldenstraße / Borsigstraße und der Einmündung Ludwigsburger Straße und sichert die Erschließung Zuffenhausens via Ludwigsburger Straße. Auch die Weiterfahrt hinunter auf die B10/27 ist möglich. Für das Plangebiet Feu 249 kann eine Wendemöglichkeit (U-Turn) zurück in Richtung Borsigstraße angeboten werden.


Rosensteintunnel mit Leuzetunnel (Ca 264) Die Landeshauptstadt Stuttgart veröffentlichte im Amtsblatt Nr.27 vom 7.Juli 2011 das Ziel der ausgelegten Planung Ca 264 auch für Zuffenhausen: „Die Leistungsfähigkeit der B10 wird durch die Unterfahrung des Rosensteinparks mit einer Tunnelverbindung zwischen Prag- und Neckartalstraße und mit dem Umbau der B10-B14-Verbindung am Mineralbad Leuze erhöht“. Die Umsetzung der Planung Ca 264 kommt insbesondere Wohngebieten des Stadtbezirks Bad Cannstatt zugute. Aber Bad Cannstatt ist nur einer der vom Verkehr besonders betroffenen Stadtbezirke Stuttgarts. Die Nachteile der Erhöhung der Leistungsfähigkeit der B10 im Stadtbezirk Bad Cannstatt werden von dort in die Stadtbezirke Mitte, Ost, Nord, Feuerbach und Zuffenhausen verlagert. Ohne zeitgleiche verkehrsreduzierende Begleitmaßnahmen zugunsten des Stadtbezirks Zuffenhausen ist die Planung nicht ausgewogen.

Schon immer stark belastet
waren die Bundesstraßen 10, 27 und der Verkehrsknoten Pragsattel. Bereits in den 1960er Jahren beschloss der Stuttgarter Gemeinderat, die B10 und die B27 verkehrstüchtig auszubauen. Während als erstes Teilstück die Stadtautobahn B10/27 Ortsdurchfahrt Zuffenhausen im Frühjahr 1980 in Betrieb ging, wurde die Planung für den Pragsattel, kreuzungsfrei mit fly-over, zum Glück für das Stadtbild nicht realisiert.

Mehr Verkehr auch auf den Schienen.
Als Folge von Stuttgart 21 und als Folge der allgemein gewollten Attraktivitätssteigerung sowohl im Personenverkehr als auch im Güterverkehr soll auch der schienengebundene Verkehr zunehmen. Die Deutsche Bahn AG baut ihr Schnellverkehrsnetz weiter aus.

Bahn-Tunnel jetzt !
Der bereits fertiggestellte Abschnitt der Neubaustrecke von Mannheim nach Stuttgart endet im Norden Zuffenhausens an der Gemarkungsgrenze zu Stammheim. Zwischen hier und der geplanten Weiterführung der Neubaustrecke nach Ulm gibt es in Zuffenhausen und in Feuerbach eine ca.3,5 km lange Gleisstrecke, die nicht verändert wird. Warum die Deutsche Bahn AG auf ihren Schnellverkehrs-Trassen zwischen Mannheim und Ulm (Mannheim-Stuttgart 132 km, Stuttgart-Ulm 94 km, insgesamt also 226 km) ausgerechnet diese 3,5 km nicht auch im Tunnel führt, bleibt uns rätselhaft. Wenn Stuttgart 21 realisiert wird bietet sich auch an, die neue Schnellbahntrasse bereits ab Tunnel Langes Feld bis zum Hauptbahnhof – also auch schon in Zuffenhausen und in Feuerbach - im Tunnel zu führen. Mit ca.3,5 km zusätzlichem Tunnel wären Zuffenhausen und Feuerbach zu entlasten.

Fehlen noch Gutachten?
Aussagen zu Folgen der prognostizierten Verkehrsmenge im Zuge der B10/27 für den Stadtbezirk Zuffenhausen sowie Aussagen zur künftigen Situation auf den Bahngleisen sind uns nicht bekannt. Die von der Deutsche Bahn AG, Projekt Stuttgart 21, in Auftrag gegebene Untersuchung zu Schall und Erschütterungen (Niedermeyer Institute, 1996) endet in Feuerbach an der Gemarkungsgrenze zu Zuffenhausen und ist somit keine Grundlage zur Beurteilung der Situation in Zuffenhausen. Zwar wird für Feuerbach eine deutliche Minderung der dB(A)-Werte prognostiziert, aber die für hier vorhergesagten Isophone enden ebenfalls an der Gemarkungsgrenze.

Eine mustergültige Verkehrspolitik
betreibt die Region Stuttgart seit geraumer Zeit. Das regionale Nahverkehrs-Netzwerk "Mobilist" zählt zu den 5 Gewinnern eines früheren bundesweiten Wettbewerbs. "Mobilist" versucht seither mit verschiedenen Mitteln, das wachsende Verkehrsaufkommen einzudämmen. Diese Idee wird vom Bund gefördert, und dem Großraum Stuttgart fällt mit diesem Projekt eine Pilotfunktion für ganz Deutschland zu.

Weniger Autos durch Stuttgart 21.
Die Landeshauptstadt Stuttgart geht davon aus, dass durch Stuttgart 21 der motorisierte Individualverkehr abnimmt: "In und um Stuttgart 4 Millionen Pkw-Fahrten oder 51 Millionen Pkw-Kilometer weniger pro Jahr durch Verbesserungen im Regional- und Nahverkehr." "Reduzierung des überörtlichen Pkw-Verkehrs um rund 570 Millionen Pkw-Kilometer pro Jahr durch die Angebotsverbesserung im Fernverkehr."

[Quelle: Projekt Stuttgart 21, Ergebnis der Machbarkeitsstudie. Beilage im Amtsblatt der Landeshauptstadt Stuttgart zur Nummer 3 vom 19.01.1995]